Gespenster - ein Familiendrama um Liebe und Konventionen

Titelbild

Ort der Handlung ist das Landgut von Frau Alving an einem Fjord in Norwegen. Wir befinden uns am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Figuren im Stück leiden unter Konflikten, die ihnen die Konventionen vorschreiben. So müssen sich z. B. Frauen fügen, auch wenn sie von ihren Männern betrogen werden. Ein Pastor kann nicht zu seiner Liebe stehen.

Ibsen hält in seinem Familiendrama der Gesellschaft einen Spiegel vor. Er zeigt freudlose Menschen, bei denen Arbeit als schwere Last gilt und Frauen sich unterzuordnen haben. Diese scheinheilige Gesellschaft ist das Gegenstück  zu den armen Künstlern von Paris. Für Letztere macht ihre Arbeit einen Teil ihrer Lebensfreude aus. Sie leben zwar mit ihren Partnerinnen und deren Kindern in „Sünde“, weil sie sich eine Heirat finanziell nicht leisten können, sind aber freie Menschen.

Die teilweise sarkastischen Dialoge sind so aufgebaut, dass sich aus verschiedenen Perspektiven ein vollständiges Bild ergibt. Heftige Konflikte werden ausgetragen und die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Trotz der ernsten Themen blitzen auch hin und wieder witzige Ideen auf. „Gespenster“ wurde zuerst in Norwegen und auch im deutschen Kaiserreich verboten, weil sich die kranke Gesellschaft dieser Kritik nicht stellen wollte. Die Uraufführung fand deshalb in Chicago statt.

Einer der Gründe, das Stück heute zu spielen, liegt darin, dass die meisten psychologischen Probleme der Figuren heute so aktuell sind wie damals: Lebenslügen, Lüsternheit, Geschlechtskrankheiten, Gier, Unterdrückung, Manipulation, Alkoholismus, Käuflichkeit, Feigheit, unerwiderte Liebe etc.

Der Autor - Henrik Ibsen

Henrik Ibsen (1828–1906)  ist der berühmteste norwegische und der meistgespielte Dramatiker seiner Zeit, der nachfolgende Autoren-Generationen maßgeblich beeinflusst hat. Er gilt als ein Überwinder des romantischen Idealismus des 19. Jahrhunderts und war ein Kämpfer für die Emanzipation der Frauen. Kern seiner Dramen ist meist die Darstellung von „Lebenslügen“ einer kranken Gesellschaft. Seine Stücke sind getragen von einem tiefgreifenden Verständnis psychologischer Zusammenhänge und Zwänge.

Seine bekanntesten Stücke sind „Peer Gynt“, „Nora“, „Gespenster“, „Die Wildente“ und  „Hedda Gabler“.

Ibsens Stücke sind „modern“, hochaktuell und kämpferisch. Sie sind getragen von einer scharfen psychologischen Analyse. Zeigen sie doch menschliche Zwangslagen und die häufig anzutreffende Unmöglichkeit, im Leben zu vernünftigen und tragbaren Lösungen zu kommen. Seine Stücke sind und waren unbequem.

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Henrik Ibsen

Pressestimmen

Pressekritik Gespenster

Süddeutsche Zeitung vom 18. Oktober 2016